»Und doch schreibe ich…«
Was heißt Hoffnung in unserer Zeit?
Swetlana Alexijewitsch
Schriftstellerin; Nobelpreis für Literatur 2015
Diskussionsleitung: Prof. Dr. Riccardo Nicolosi
Lehrstuhl für Slavische Philologie, Ludwig-Maximilians-Universität München
»Man nennt mich eine Katastrophenautorin, aber ich habe nicht über Katastrophen geschrieben, sondern den menschlichen Geist eingefangen. Menschlichen Mut. Mut brauchen heute alle und überall: in Moskau und Charkiw, in Berlin und in Stockholm… Mut, das Licht gegen die hereinbrechende Dunkelheit zu verteidigen. Die Demokratie weicht heute nicht zurück, die Demokratie rüstet sich neu, bereitet sich auf eine neue Welt vor. Die Welt bewegt sich nicht in eine Richtung, sondern gleich in mehrere Richtungen und beschränkt sich nicht auf ein einziges Modell. Zukunftsforscher glauben, dass vor uns Demokratie, Technokratie, Autoritarismus – und der Wettbewerb zwischen ihnen – liegen. Und das ist bereits eine andere Welt, die wir nicht kannten, von der wir keine Ahnung hatten. Aber hier ist sie… Der Krieg tobt nicht nur in der Ukraine, er tobt in all unseren Köpfen. Die alte Welt ist zu Ende. Und das ist die Hoffnung…«
(Vortrag in russischer Sprache mit deutscher Übersetzung)